Testbericht HPI Racing 1:12 Mini-Trophy Desert Truck RTR


Die Überraschung in der RC Offroad-Szene war groß, als HPI Anfang Juli 2010 einen neuen 4WD-Desert Truck im Maßstab 1:12 vorstellte. Nicht etwa wegen des bei Offroadern eher selten gesehenen 1:12-Maßstabs in Kombination mit einem Vierrad-Antrieb. Denn einen Truck mit genau diesen Eckdaten stellte Thundertiger bereits einige Monate vorher auf der Nürnberger Spielwarenmesse mit dem Sparrowhawk DT12 vor. Große Augen gab’s beim HPI-Truck vor allem wegen seiner einzigartigen Chassis-Konstruktion mit Längslenkern an der Hinterachse und der realistischen Scale-Karosse mit einem komplett ausgestatteten Cockpit inklusive Überrollkäfig.

Die nett aufgemachte Verpackung des Mini-Trophy Desert Truck von HPI. An der „Fototapete“ im innern des Kartons lässt sich bereits der bevorzugte Einsatzbereich des Trucks ausmachen: Die Wüste! Auch der Original-Truck von TSA Motorsports wird in Wüstenrennen der „Class 7“ eingesetzt. Hier fahren Mini- oder Midsize-Trucks, die etwas kleiner als Trophy Trucks sind und über weniger leistungsstarke Motoren verfügen. Der Zusatz „Mini“ kommt also von den 1:1-Trucks und hat nichts mit dem kleineren 1:12-Maßstab des Modells zu tun.

Eine interessante Anmerkung zum Original-Truck: TSA nutzte das Karosseriestyling von HPI, um den echten TSA 7200er-Truck wie den HPI Mini-Trophy Truck aussehen zu lassen. Ja, der HPI Mini-Trophy Truck kam zuerst! Die Modell-Version wurde von Hidekazu Nishine konstruiert, der bereits den erfolgreichen Wheely King und die legendäre Savage-Reihe für HPI Racing entworfen hat.

Und so präsentiert sich der Truck, wenn er aus der Packung raus ist. Bemerkenswert ist das recht hohe Leergewicht von satten 2250g und das die Federung besonders an der Hinterachse ziemlich weich ist.

Und hier das mitgelieferte Zubehör. Neben einer mehrsprachigen Bauanleitung (Eigentlich ist es eher eine Anleitung zur Demontage und zur Wartung) liegt noch eine sehenswerte HPI-DVD, ein Stickerset, eine Kanal-Wimpel für den Sender, etwas Werkzeug sowie zahlreiche Ersatz-Schrauben und Kugelköpfe bei. Der 27MHz AM-Sender „HPI TF-1“ ist in 2.4GHz-Zeiten natürlich nicht mehr ganz Up-To-Date. Um ein wenig auf einem Hinterhof oder Feldweg rumzuheizen, allerdings völlig ausreichend. Mit Servoumkehr, Servoweg-Einstellung und Trimmung ist der HPI-Drehknopf-Sender zudem gut ausgestattet.

Ausstattung

  • HPI Firebolt-Motor mit 15 Turns
  • HPI SC-15-Regler mit Rückwärtsgang
  • Metall-Diffzahnräder
  • Composite-Hauptzahnrad mit 87 Zähnen (48 pitch)
  • Stahlritzel mit 18 Zähnen
  • Aluminium-Uprights vorne und hinten
  • Realistische, offiziell lizenzierte Yokohama Geolandar-Reifen
  • 12mm Sechskant-Mitnehmer
  • Einstellbare Slipper Kupplung
  • Kompletter Kugellager-Satz

Die Karosserie besteht aus drei Teilen (Vorderteil und die beiden hinteren Kotflügel) und wird mit einer ganzen Sammlung von Snap Pins (insgesamt acht) auf dem Chassis gehalten. Es reicht aus, die beiden Kotflügel nur mit den Federklammern ganz hinten zu sichern, da die Karosse vorne die hinteren Karo-Teile überlappt.

Ein Vergleich der MTDT-Karo mit einem 1:10 Short Course-Truck gibt´s mittlerweile zwar schon in so ziemlich jedem Ami-Forum. Aber sei’s drum! Was gleich auffällt ist, dass der kleine HPI-Truck nicht viel kürzer (ca. 35mm), dafür aber über 60mm schmaler als ein SC-Truck ist. Somit würde der HPI-Truck von den Abmessungen eher in die Klasse der 1:10 Offroad-Buggys als in die SC-Klasse passen.

Abmessungen HPI Mini-Trophy-Truck (1:12)
Abmessungen Traxxas Slash 4WD (1:10)
Abmessungen Kyosho Lazer ZX-5 FS2 (1:10)

  • Breite: 233mm 296mm 248mm
  • Radstand: 312mm 335mm 278mm
  • Höhe: 162mm 214mm 145mm
  • Länge: 533,4mm 568mm 385mm

Ein Blick unter die Haube

Hat man erst einmal die Karosserie entfernt, kann man einen genaueren Blick auf das Cockpit und den beeindruckenden Chassis-Käfig mit den beiden Ersatzrädern werfen.

Hello, my name is Dallas Lutrell!“ Das Cockpit ist zur einfachen Demontage zweiteilig ausgeführt und lässt sich nach dem Lösen von zwei Schrauben ganz einfach nach hinten durch die „Heckklappe“ schieben. Den Käfig kann man, wenn man denn möchte, mit Karosserie-Panels ausstatten. Kleine Befestigungslöcher sind dafür bereits vorhanden, wie man auf dem oberen Bild sehen kann.

Der gesamte obere Käfig bildet mit der Chassiswanne eine Einheit. Im Gegensatz z.B. zum Asso SC8 kann man den Käfig nicht einfach abnehmen und ohne fahren, da die Halterungen für  die Karosserie und die Dämpfer darin integriert sind. Scale-Fans wird es freuen, nur Wartungsarbeiten werden dadurch zur Schraub-Orgie. Ganze 20 Schrauben müssen entfernt werden, um den Käfig zu entfernen. Leider kommen im Fahrzeug nur einfache Kreuzschlitz-Schrauben zum Einsatz.

Praktisch ist die hochklappbare Halterung für die Ersatzräder. Im Handumdrehen erreicht man so den Regler und kommt ans Akkufach, selbst mit montierter Karosse. Die Ersatzräder sind aus weichem Plastik und lassen sich nicht als echte Ersatzräder verwenden. Der Montage von echten Rädern steht nichts im Wege, durch das Zusatzgewicht muss man dann natürlich mit einem veränderten Fahrverhalten rechnen.

Links sieht man die Akku-Schnellwechselhalterung und rechts den Fahrtenregler. Die Getriebeausgänge sind recht weit nach oben gedreht, um genug Platz für die Komponenten zu schaffen.

Die Radträger bestehen aus Alu-Druckguss und sind vorne wie hinten identisch. Auf dem Bild oben ist auch gut die Hinterachse mit den Längslenkern zu sehen. Alte Hasen kennen ganz ähnliche Konstruktionen bestimmt noch von Buggy-Klassikern wie dem Team Losi JRX2 oder der Tamiya Avante/Egress-Serie. Hinten ließe sich am Mini Trophy-Truck sogar die Vorspur einstellen, leider laufen aber die Reifen zu nah an den Längslenkern vorbei und würden bei mehr Vorspur daran reiben. Um das zu verhindern, braucht man Felgen mit mehr Offset wie zum Beispiel vorne die #3843 TE37 Wheel Bronze (mit 3mm Offset) und hinten die #3848 TE37 Wheel Bronze (mit 6mm Offset).

Von unten ist das Chassis völlig glatt, nur zwei Ausbuchtungen deuten auf die Position der Differentiale hin. Nach vorne läuft das Chassis ungewöhnlich spitz zu und ähnelt – auch durch die offene Form der Querlenker – ein wenig dem Team Xtreme Predator X11 4WD-Buggy. Der komplette vordere Bereich verfügt über eine eigenes Chassisteil, was Reparaturen nach einem Crash vereinfacht. Auch die Halterungen für die vorderen Schwingen sind separat an das Chassis angeschraubt.

Das nackte Chassis ohne die Radaufhängungen und den Schutzkäfig. Für das Chassis hat HPI einen harten, faserverstärkten Kunststoff gewählt. Der Käfig besteht dagegen aus recht weichem und flexiblen Kunststoff.

Interessant: Die Getriebegehäuse sind separate, geschlossene Einheiten und sozusagen kein direkter Bestandteil des Chassis. Das Chassis hält die Getriebegehäuse lediglich in Position. Dahinter ist die Lenkung zu sehen, die über einen Servosaver aus Kunststoff verfügt. Leider ist die Lenkungseinheit nicht mit Kugel- oder Gleitlagern versehen.

Ein Blick in das geöffnete Getriebegehäuse. Beide Zahnräder (38/17 Zähne) sind aus gesintertem Metall hergestellt, daraus resultiert eine extrem glatte Zahnradoberfläche. Die stabil gebauten Kegelrad-Differentiale kommen auch im HPI Nitro RS4 und dem HPI Wheely King zum Einsatz.

Nach dem Lösen dieser beiden Schrauben lässt sich der Motor entfernen. Auch das Ritzelspiel wird mit diesen Schrauben eingestellt. Wie die Radträger besteht auch die Motorhalterung aus Alu-Druckguss.

Die obere Chassisplatte dient als Empfängerhalter und hält zudem das vordere und hintere Chassis zusammen. Das Lenkservo ist an zwei Halterungen geschraubt, die formschlüssig im Chassis sitzen.

Auch wenn die Composite-Dämpfer optisch nicht viel hermachen: Sie funktionieren hervorragend und halten das Öl dort, wo es sein soll. Die untere Kappe beherbergt zwei Silikon-Dichtungsringe, die obere Kappe eine Dichtung. Eine Membran zum Volumenausgleich beim Einfedern gibt es nicht. Wie man sehen kann, werden die Federn sehr weit vorgespannt.

Fahrtest: Der Mini Trophy Truck im Gelände!

Das Testareal auf einem alten Werksgelände gab viele verschiedene Untergründe her: Asphalt, Schotter, Kopfsteinpflaster und vor allem staubigen Asphalt mit sehr wenig Griff. So mancher 2WD SC-Trucks war auf diesem Untergrund ziemlich überfordert, ob sich der HPI-Truck hier besser macht?

Kurz gesagt: Ja, er macht sich besser! Das Fahrzeug im Vollgas-Drift durchs Gelände zu zirkeln, macht reichlich Laune. Desto weniger Griff der Untergrund bietet, desto mehr Spaß macht es, den 4WD-Truck zu bewegen. Auch der HPI SC-15-Fahrtenregler macht hier durch eine feine Regelbarkeit eine gute Figur. In Verbindung mit dem HPI Firebolt-Motor kommt der MTDT auf eine geschätzte Höchstgeschwindigkeit von 30km/h.

Das Fahrbild wirkt durch die weiche und sensible Federung sehr realistisch, die Aufhängung des Mini-Trophy Desert Truck reagiert praktisch auf jeden Kieselstein. Das Heck neigt allerdings auch schnell zum springen, da durch die harten, stark vorgespannten Federn kaum Dämpfungswirkung vorhanden ist. Mit etwas dickerem Öl in den Dämpfern liegt das Fahrzeug deutlich besser im Gelände. Öl mit 70WT hinten und 40WT an der Vorderachse sind meiner Meinung nach ein besserer Startpunkt als die 35WT-Standardbefüllung.

Bei schnellen Lastwechseln auf griffigen Untergründen hebelt es den Truck ab und zu mal aus den Federbeinen. Der Karo-Form sei Dank, landet der MTDT nach einer Rolle meistens wieder auf allen Vieren.

Vollgas durch die Pfütze: Mini-Trophy Desert Truck auf Tauchgang.

Verschleiß?

Das Hauptzahnrad mit dem integrierten Slipper. Verschleiß an den Getriebezahnrädern und den Differentialen ist nicht festzustellen, lediglich etwas feiner Staub ist unter die Abdeckung des HZ eingetreten. An der Lenkung kann man dagegen nach dem Test etwas Spiel ausmachen, da die Kugelköpfe und der Kunststoffring vom Servosaver ausgeschlagen sind.

Die Outdrives und Antriebsknochen sehen noch gut aus und zeigen nach dem Test nur etwas Flugrost und minimale Abnutzungserscheinungen.

Fazit

HPI hat mit dem Mini-Trophy Desert Truck ein rundum gelungenes Fun-Fahrzeug auf den Markt gebracht. Das unproblematische Fahrverhalten aus dem Karton heraus, der fantastische Scale-Look der Karosserie und das realistische Fahrbild machen den HPI-Truck sicher zu einem der interessantesten RC Car-Neuerscheinungen in diesem Jahr. Abzüge gibt es für den MTDT in der B-Note für die ausgeschlagene Lenkung und die wartungsunfreundliche Konstruktion, dafür wird man von der traumhaften Scale-Optik mehr als entschädigt!

Interessante Links zum MTDT

Fotogalerie

www.conrad.de