Einsteiger-Guide: Goldstecker anlöten
Viele Fahrtenregler und Akkupacks werden bis heute noch mit den berühmt-berüchtigten Tamiyasteckern ausgeliefert. Diese werden von vielen RC Car-Piloten gerne genutzt, da man sie wie erwähnt überall vorfindet und zudem durch die asymmetrische Form nicht verkehrt herum einstecken kann.
Allerdings gibt es auch einige Nachteile dieser Steckverbindungen. Wer einmal einen zusammengeschmolzenen Tamiyastecker auseinanderfriemeln musste, kennt den entscheidenden Nachteil: Nämlich den hohen Übergangswiderstand dieser Stecker.
Die entstehende Hitze an den meist schlecht sitzenden Kontakten kann dazu führen, dass das Kunststoff schmilzt und im schlimmsten Fall der Plus- und Minuspol aneinander gerät. In diesem Fall wäre der teure Regler und der Akku im Sack. Mit Aussicht auf diesen Supergau sind die paar Euro für einen Umbau auf Goldstecker mit Sicherheit gut angelegt. Denn Goldstecker sind hochstromfähig, haben einen geringeren Übergangswiderstand als die Tamiya-Stecker und erhitzen sich nicht so schnell.
Unterschiedliche Goldstecker in 3,5 und 4mm
Die verbreitetsten Durchmesser für Goldstecker sind 2mm, 3,5mm, 4mm und 6mm. Ich nutze für meine 1:12 und 1:10 On- und Offroad-Autos 3,5mm Goldstecker, da diese sehr kompakt und leicht sind. 4mm-Stecker sind im 1:10er-Bereich allerdings weiter verbreitet. So haben einige 1:10-Hardcase LiPo-Akkupacks z.B. bereits 4mm-Buchsen im Gehäuse eingelassen. Welche Stecker man einsetzen möchte, sollte man am besten davon abhängig machen, was im Verein oder von RC-Kollegen am häufigsten genutzt wird und natürlich auch am verwendeten Material…
Nun aber zum eigentlichen Thema, nämlich der Umrüstung auf Goldstecker! Bevor es los gehen kann, muss folgendes Werkzeug und Material besorgt werden:
- 80 Watt-Lötkolben mit Ablage
- Seitenschneider
- Spitzzange
- Feuerzeug
- Bastelmesser/Cutter
- Goldstecker
- Schrumpfschlauch 5,5mm Ø*
- Löthilfe
- Schwämmchen
- Elektronik-Lötzinn
* bei 3,5mm und 4mm-Steckern
Als erstes muss der Tamiya-Stecker weichen. Dazu knipst man mit einem scharfen Seitenschneider kurz unter dem Stecker die Kabel einzeln ab. Einzeln deshalb, da es zu einem Kurzschluss kommen kann, wenn man beide Kabel am Akkupack abkneift.
Ist der Stecker ab, isoliert mit dem Bastelmesser vorsichtig etwa 3mm der Isolierung ab. Dabei das Messer nicht zu fest aufdrücken, damit das Kabelinnere unbeschädigt bleibt. Falls ihr eine passende Abisolierzange besitzt, nutzt diese.Â
Liegt das Kabel frei, dreht das freie Ende behutsam mit den Fingern etwas zusammen, so dass das Kabel später besser in den Stecker passt und sich nicht aufdröselt.
Tragt beim Löten immer eine Schutzbrille und feste Kleidung! Durch herunterlaufendes oder umher spritzendes Lötzinn kann man sich leicht verbrennen. Auch auf eine ausreichende Belüftung sollte geachtet werden. Mehr dazu auf wikipedia.org.
Jetzt wird es heiß! Testet vorher, ob der Lötkolben bereit ist, indem ihr etwas Lötzinn an die Spitze haltet. Schmilzt es sofort, sollte der Lötkolben heiß genug sein. Zumindest Pi mal Daumen…
Anschließend die Lötkolbenspitze und das Lötzinn an das Kabelende bringen und das Kabel ein wenig von dem Lötzinn aufsaugen lassen. Weniger ist hier mehr. Das Lötzinn sollte keinen Tropfen am Kabelende bilden.
Animation rechts: Während des Lötvorgangs sollte ein angefeuchteter Schwamm bereitliegen, um die Spitze des Lötkolbens von überschüssigem Lötzinn zu befreien.
Ist das erledigt, macht das selbe mit dem Stecker bzw. der Buchse. Spannt dazu den Stecker vorsichtig (nicht zerquetschen) in einen Schraubstock oder eine Löthilfe ein und lasst kabelseitig etwas Lötzinn in den Stecker laufen. Auch hier gilt: weniger ist mehr!
Das Kabel kann nun in den Stecker eingebracht werden und verlötet werden. Eventuell ist dazu noch ein wenig Lötzinn nötig, falls sich noch nicht genug im Stecker bzw. am Kabel befand.
Nach dem Abkühlen kann der Schrumpfschlauch über den Stecker gezogen werden. Schneidet dazu ca. 3cm Schrumpfschlauch (Steckerlänge + ca. 10mm) ab und steckt es auf den Stecker. Mit einem Feuerzeug kann der Schrumpfschlauch anschließend passend geschrumpft werden.
Beim anlöten neuer Stecker an einen Akkupack sollte man darauf achten, keinen Kurzschluss zu verursachen und besser alles in Ruhe nacheinander löten. Bei einem Fahrtenregler- oder Motor-Kabel braucht man diesen Punkt natürlich nicht zu beachten.
Es ist geschafft: fertig angelöteter und eingeschrumpfter Goldstecker




































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19 Kommentare
Also,
ich finde es ist eine sehr gute Anleitung geworden, bis:
[IMG]loetguide_fertiger_stecker-150×150.jpg[/IMG]
Ich finde, man sollte hier ein wenig mehr Lötzinn lassen.
Bei uns imm Verein machen dass alle so inklusive mir.
Eine super Beschreibung , so könnte ich meinen nächsten Elektromotor Brushless beim Associated Sc 10 verlöten.Gute Info macht weiter so.
Gruß Christian
Tolle Anleitung! Wichtig ist wirklich und möchte ich unterstreichen, dass man einen Lötkolben mit mind. 80W benutzt.
..Vielleicht noch ein Tip:
Am Pluspol des Akkus IMMER eine Buchse anbringen, am Minuspol des Akkus IMMER einen Stecker.
Hintergrund: Dadurch dass am Akku ein Stecker und eine Buchse sind, kann man die nicht beim anstecken an den Fahrtenregler vertauschen -> kein Kurzschluss möglich.
Dadurch dass der Pluspol in einer Buchse untergebracht ist, ist auch dort die Kurzschlussgefahr geringer..
eine frage kann mann eigendlich in ein auto ohne brushless auch einen lipo fahren
Muß man die akkus vor dem Löten entladen ?
Habe keine ahnung,bin noch nicht sehr lange im Mdelbau
Hi Mario,
die Akkus brauchst du vor dem Löten nicht zu entladen.
Gruß,
Stephan
Hi lugge(wa2), den LiPo kann man auch ohne BL verwenden, jedoch empfiehlt sich ein sogenannter LiPo-Saver, der vor Tiefentladung schützt. Hier gibt es entweder Abschalter oder aber Platinen, die mit Summern und/oder LEDs bei einer gewissen Spannung warnen. Ich habe so ein Teil auf eBay für ein paar Euro gekauft und betreibe es hochzufrieden an einem Tamiya-Regler TEU101-BK
Noch ein allgemeiner Tip zur Verpolsicherheit: Deans-Stecker!
Danke Stephan , dann lege ich mal loß.
HI, es gibt zb. von Hirschmann Mess/Prüfleitungen und Zubehör wie die Bananenstecker in den Bildern.
Gibts Stecker und Buchste von und nach dem trennen sind die Kontaktflächen durch eine Kunstoffhülse abgedeckt. Kabelanschluss zum löten oder schrauben.
Auf keinen Fall ist zu Absetzzangen bei Silikonkabeln zu raten, die meisten “erschwinglichen” zerfetzen das Silikon oder reissen es zumindest ein!
Habe mal ne Frage hast du die Löthilfe selbergebaut oder gib es da ein Hersteller für?
Die Löthilfe ist von Topcad. Gibt’s z.B. bei eBay.
Kleiner Spartipp: Man nehme ein Brett, MDF oder Grobspan mit 22mm Stärke damit etwas Eigengewicht hat. Dann einfach verschiedene Löcher bohren, 2mm, 3,5mm, 4mm, 4,2mm – jeweils 5-7mm tief, also ungefähr. Dort dann die Stecker kopfüber rein, Lötzinn rein, Leitungsenden verzinnen, Stecker/Buchse heiss machen und dann Leitung rein. Wenn Flussmittel oben brodelt Lötkolben weg, pusten.
Mein Lötbrett ist unersetzlich, mittlerweile seitliche geschlitzt für die Fahnen der Traxxas-Stecker (Dremel und Trennscheibe, mit Schlitzschraubendreher etwas aufweiten) und mit Doppelbohrungen für Deans-T. Natürllich auch mit durchgehender 3,3mm und 5,1mm Bohrung für BL-Motoren im Kopfstand. Wer einen Holzwurm kennt lässt in das Brett eine Vertiefung fräsen so dass ein Side-By-Side Akku drin steht, mit einer weiteren Vertiefung die die schon angebrachten Lötbrücken aufnimmt. In Zeiten von Lipos wird das aber unwichtig.
Man darf nur nicht länger löten als normal nötig. Also bei 4mm Goldis nicht noch weitere 20 Sekunden mit dem 100W Brateisen draufhalten, sonst habt Ihr ein Tischfeuerzeug hergestellt…
[...] Goldstecker Einlöten auf RC-News.de [...]
Hi, gibt es min. Durchmesser für die Goldstecker bei eim 3s Lipo mit 5000 mAh? Habe bisher 4 mm im Einsatz, reichen die?
Hi Bruno! Ich geb Dir mal ein paar Anhaltspunkte:
Das kommt auf Dein Auto an, Grösse, Gewicht, Antriebssystem – daraus ergibt sich der tatsächliche Mindestdurchmesser. Wenn Du damit z.B. einen Stampede 1:10er fährst reichen die 4mm mehr als aus, in nem 1:8er sind die neben anderen Stecksytemen geltender Standard, nach oben im Durchmesser offen.
Du kannst selber überprüfen ob es reicht indem Du die Temperatur prüfst, und zwar nicht nur im Fahrbetrieb (also nach ein paar Runden), sondern auch direkt nach (Voll)Bremsungen, denn dann werden aus 150A die viele 1:8 Regler maximal abgeben schnell mal 400A. Während die 150A ein Maximalwert sind sind die 400A Realwert, allerdings nur kurz, logisch.
Kannst Du die Stecker noch über längere Zeit schmerzfrei anfassen ist alles im grünen Bereich. Alles läuft über die Zeit und die Temperatur, da die Temperatur direkt mit dem Widerstand verbunden ist. Hohe Temperaturen gehen, aber nur für eine bestimmte Zeit, dann wirds kritisch, gefährlich oder eben garantiert schädlich.
Nochwas:
Wenn Du an Regler wie Akku 4qmm Leitungen hast und man würde annehmen dass die 4qmm auch gebraucht werden, dann stellt der Stecker aufgrund geringerer Masse (ist ja einseitig nur ein Röhrchen) eine Engstelle dar. Durch grössere Länge der Stecker erhälst Du aber mehr Oberfläche über die der Strom transportiert wird, also rate ich von den kurzen Brushless-Motor-Steckern grundsätzlich schonmal ab.
Hi,vielen Dank für die prompte und ausführliche Antwort. Ich fahre tatsächliche eine 1:10 Stampede 4×4 VXL brushless. Die 4 mm Stecker sehe von der Länge so aus wie die oben abgebildeten. Also werde ich mir mal ein 5000 mAh 3S Lipo zulegen und bzgl. der Temperatur testen.
Du, da brauchst Du nichts testen – beim VXL reichen 4mm. Ich persönlich empfehle Dir das Traxxas-System beizubehalten, IMO gibts nichts besseres, einfacheres und sichereres in der Verwendung, gerade bei Lipos sind Rundstecker totaler Bockmist, auch trotz Schrumpfschlauch ist die Kurzschlussgefahr viel zu hoch!